Eine Seefahrt, die ist lustig

Vortrag zum politischen Aschermittwoch 2010 von Arnd Willmann

Aschermittwoch-Alles vorüber?

Nach der letzten Marktratssitzung
lange keinen Schlaf
seltsamen Traum- ich schwimme im Naturfreibad
wird immer größer

Plötzlich befinde ich mich auf dem offenen Meer an Bord eines Schiffes.

Mehrere Schiffe auf dem offenen Meer: ein rotes, eines mit abgeblätterter grünen Farbe, das dringend einen neuen Anstrich braucht, eines mit dem Namen Bürgerblock und natürlich das Schiff der Freien Wähler, ich stehe mit auf der Brücke. Wir fahren um die Wette, wer als erster über die Ziellinie fährt, dem winken kein Gold oder Aufwandsentschädigungen, sondern Ruhm und Ehre.
Es ist bewölkt und es herrscht schwere See.

Ganz vorne kämpft mit einem winzigen Vorsprung:
Eine alte, schwarz angestrichene Schaluppe mit Löchern in den Segeln, die Takelage ist oft geflickt, , Galleonsfigur: Patrona Bavariae
Schriftzug MS Bayern?Nein FJS CSU-Bayern OV Postbauer-Heng, -Ach,- die Schwarzen!

An Bord: Eine wild zusammengewürfelte Mannschaft.
Alles dabei:  eine Musikerin, ein Obst-und Gartenbauer, ein Jugendbeauftragter und Boxer, ein Inschenör, ein Personalchef, aber der ist nur ausgeliehen. Und noch viele andere.

Am Ruder aber steht Schwarze Korsar, der Kapitän, der „Schöne Horst“ in einer grünen Uniform, es erinnert fast ein wenig an eine alte Polizeiuniform, verbissen versucht er den Kurs zu halten, doch immer wenn am Horizont neue graue Wolken aufziehen, reißt er das Steuer mühelos herum, mitten in den Sturm hinein. Und es stürmt oft zurzeit. Er hat eine Menge Probleme. Es sieht fast so aus, als ob dem Kapitän ein Kursentwicklungskonzept fehlt.

Apropos fehlt: Sogar einen Geist haben sie an Bord, der ist da aber fast nie zu sehen. Manchmal geistert der durch die Kajüten und keiner weiß so recht, ist er nun da oder doch nicht. Und in der Nacht rumpelt er mit leeren Flasche auf den Gängen, dass es der Mannschaft ganz anders wird. Sein Name wird nur noch geflüstert. Sie nennen ihn nur den -„Klabautermarco“.

Neben dem  Kapitän steht sein Rudergast „Der blanke Hansi“ und beobachtet ihn genau. Er hat ja selber ein Patent zum Führen von Personenschalluppen. Manchmal weiß er nicht, ob er hinschauen soll oder besser weg sehen. Also Augen zu und durch, egal ob´s Sinn macht oder nicht.

Einen Maat hat´s natürlich auch, der ist aber von einem anderem Schiff ausgeliehen. Im Hafen beim Sektempfang ist er schon beim Begrüßungspröbsterchen gleich auf das schwarze Schiff hin-übergelaufen,  er macht aber seine Sache gut und versucht dem Kapitän wertvolle Hinweise zu geben, wie der die anderen Boote abhängen kann.

Musik ist auch an Bord. Ist aber auch bitter nötig, den Seeleuten und besonders dem Kapitän die Flötentöne beizubringen und gehönig den Marsch zu blasen.

Dann gibt es noch einen Leichtmatrosen, der karr-t das Pulver an die Kanonen, alle nennen ihn nur den großen OGV;
Einen, der den jungen Burschen in jedem Hafen zeigt, wo der Hammer hängt, haben sie auch, der hat immer so schlagkräftige Argumente, das es einem den Vögerl raushaut und er ist ein sehr spezieller Freund vom grünlichen Schiff;
und noch einen, der kratzer-t so lange alle Zahlen zusammen, bis er genau ausrechnen kann, wieviel Wasser welcher Matrose wann wo weshalb und wofür braucht, auch wenns keinen interessiert.

Dann gibt es noch einen Altmatrose, der nicht herum-meiert, er meldet sich immer dann zu Wort, wenn keiner mehr weiter weiß. Er weiß es zwar auch nicht, aber er ist immer sehr um Harmonie bemüht, wenn es wieder mal kracht in der Mannschaft. Apropos krachen:

Plötzlich wird die schwarze Mannschaft durchgeschüttelt, eine Kugel wurde von einem anderen Schiff abgefeuert und ist knapp über der Wasserlinie eingeschlagen. Alles fliegt durcheinander.
Einer schreit:
„War das ein Riff, auf das wir aufgelaufen sind?“
„Nein“, schreit ein anderer zurück, „das war wieder dieser Pirat, dieser Helmut der Schreckliche. Der hat auf uns geschossen! „
„ Hör auf damit“, brüllt der Lotse mit hochrotem Kopf zum grünlichen Schiff hinüber und fällt fast über die Reling. „Das kannst Du mit Deinen Seekühen machen, aber nicht mit uns!“
Rumms, schlägt die nächste Breitseite ein. Diesmal knapp an der Wasserlinie und es sind gleich vier Kugeln auf einmal, zwei vorn und zwei hinten, von jedem Schiff eine. Wieder rappeln sich alle hoch.
„Wir haben Wasser im Boot, Kapitän“, tönt es aus dem Rumpf.
Da bin ich dran, wir pumpen einfach das Wasser von vorn nach hinten und das hintere Wasser nach vorne.“
„Was soll denn das sein, Käptn?“
„Das ist eine Notverpumpleitung, die brauchen wir unbedingt! Und dann reißen wir noch den alten Hochbehälter raus, das ist nur unnötiger Balast und werfen ihn über Bord. Da bin ich auch dran!“
„Wo bleibt denn das Gegenfeuer, Matrose Schmid?“, brüllt der Kapitän durch die Luke nach unten. „Kommt sofort“, tönt es von unten, dann knallt es kurz und unten fällt eine Zeitungspapierkugel aus einer der Luken und verschwindet mit einem Plumps in der See.
„Ich glaub, ich muss dem Matrosen Schmid mal ´ne Schell´n geben, dem Schell´nschmid, der schießt viel zu flach. Der liegt ja nur daneben.“
Von den anderen Schiffen hört man fröhliches Gelächter.
Das Wasser steigt immer höher im Rumpf und das schwarze Schiff neigt sich bedrohlich.
„Käpt´n, uns gehen die Strassenlichter aus und mit der Photovoltaikanlage machen wir auch keinen Stich mehr!“
„Käpit´n, wir sinken!“ schreit der Altmatrose.
Da bin ich dran. Wir müssen nur noch die Zuschüsse abwarten. Am besten machen wir erst mal noch eine Klausur.“
„Käpt´n, wir verlieren unsere engliche Fracht!“ (Was heißt Fracht auf englisch?)
Da bin ich dran, das Fernsehn war schon da!“
„Käpit´n, und die Rettungsboote?“
Da bin ich auch dran, aber mir geht gerade ein wenig die Puste aus.“
„Käpt´n, wir werden untergehen, wir müssen schwimmen!“
Da bin ich dran, ihr müsst aber immer daran denken, ihr seid in der Natur, ihr seid frei und jetzt nehmen wir ein Bad, halt ein Naturfreibad!“
„Käpt´n, sollen wir Ihnen helfen?“
Da bin ich dran, aber…mir ist nicht mehr zu helfen!“
Und während die alte schwarze Schaluppe mit beträchtlicher Schlagseite gegen ihre letzten Wellen ankämpft und gurgelnd immer mehr  Wasser schöpft, da reißen plötzlich die dunklen Wolken auf, und die Sonne strahlt vom Himmel. Mit spritzender Bugwelle und geblähten Segeln schießt ein frisch renoviertes, schnittiges, orangefarbenes Schiff vorbei, auf dem Großsegel prangt eine goldene aufgehende Sonne, die junge Mannschaft hängt fröhlich singend in der Takelage, während die erfahrenen Seeleute die Segel straff ziehen und Kommandos in die Takelage brüllen.
Am Ruder aber steht unser Kurt Augustin mit fester Hand am Ruder und hält Kurs. Nicht nur, dass er es geschafft hat, die Mannschaft zu verjüngen und zu vergrößern, er hat das Schiff auch flott  gemacht und einen Kurs bestimmt, der das Schiff fit macht für alle Herausforderungen auf hoher See.

Ich drehe mich um, um nach den anderen Schiffen zu sehen und rumms – nein… keine verirrte Kanonenkugel, ich bin aus dem Bett gefallen!
Mit einem Grinsen im Gesicht lege ich mich wieder hin.
Ich freu mich schon auf die nächste Marktratregatta!

Danke

Hinterlasse einen Kommentar